Berufsunfähig oder nicht? Was medizinische Gutachten wirklich leisten müssen

Wenn eine Person ihren Beruf krankheitsbedingt nicht mehr ausüben kann, ist ein medizinisches Gutachten oft das zentrale Dokument für die Entscheidung über Leistungen – etwa durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung, Rentenversicherung oder ein Gericht. Doch was genau leisten solche Gutachten? Welche Kriterien gelten? Und worauf kommt es bei der Begutachtung wirklich an?

Berufsunfähigkeit: Was heißt das medizinisch?

Der Begriff „Berufsunfähigkeit“ wird im Alltag häufig mit genereller Krankheit verwechselt. Medizinisch betrachtet geht es jedoch um eine konkrete Einschätzung: Ist eine Person aufgrund ihres Gesundheitszustandes dauerhaft oder vorübergehend nicht mehr in der Lage, die zuletzt ausgeübte berufliche Tätigkeit in wesentlichen Teilen auszuüben?

Dabei zählt nicht nur die Diagnose – sondern die funktionelle Einschränkung im jeweiligen beruflichen Kontext. Zwei Personen mit derselben Erkrankung können unterschiedlich begutachtet werden, je nachdem, welche Anforderungen ihr Beruf mit sich bringt.

Was ein medizinisches Gutachten leisten muss

Ein fundiertes ärztliches Gutachten zur Berufsunfähigkeit muss mehrere Dinge gleichzeitig erfüllen:

  • Es muss medizinisch korrekt sein – auf Basis aktueller Befunde und Leitlinien.
  • Es muss verständlich formuliert sein – auch für juristische Laien.
  • Es muss eine klare Aussage treffen – ohne Ausflüchte oder Unklarheiten.
  • Und es muss transparent darlegen, wie die Schlussfolgerungen zustande kommen.

Typische Fragestellungen im BU-Gutachten

Die folgenden Punkte gehören zum Kernbereich der medizinischen Einschätzung im Kontext Berufsunfähigkeit:

  • Welche gesundheitlichen Einschränkungen liegen aktuell vor?
  • Wie stark sind diese – bezogen auf Konzentration, Belastbarkeit, Bewegung, etc.?
  • Ist eine Besserung zu erwarten – oder liegt eine dauerhafte Störung vor?
  • Welche konkreten Tätigkeiten sind (noch) möglich, welche nicht?
  • Ist die berufliche Tätigkeit in wesentlichen Teilen beeinträchtigt?

Medizin vs. Recht: Zwei Sprachen, ein Ziel

Ein häufiges Problem in Gutachten zur Berufsunfähigkeit: Die Medizin spricht eine andere Sprache als das Recht. Während ärztliche Befunde detaillierte Diagnosen und funktionelle Einschränkungen beschreiben, brauchen Versicherungen oder Gerichte eine klare Bewertung – oft in Prozenten oder mit Ja/Nein-Antworten.

Ein gutes Gutachten schafft hier die Brücke. Es übersetzt medizinische Inhalte in eine nachvollziehbare Argumentation, die auch außerhalb der Medizin verstanden werden kann. Bei Mentacura achten wir gezielt auf diese Übersetzungsleistung. Unsere Gutachten sind so aufgebaut, dass sie sowohl medizinischen als auch juristischen Anforderungen gerecht werden.

Warum Diagnosen allein nicht ausreichen

„Ich habe ein Attest – das reicht doch?“ Leider nein. Ein Attest ist keine Begutachtung. Und eine Diagnose – zum Beispiel „Depression“ oder „Bandscheibenvorfall“ – sagt noch nichts über die individuelle Arbeitsfähigkeit aus.

Gutachter müssen bewerten, ob und wie stark diese Diagnose die konkrete Berufsausübung einschränkt. Dazu gehören Anamnese, Aktenanalyse, ggf. eine persönliche Untersuchung und immer eine funktionale Bewertung: Was kann die Person (nicht) – im beruflichen Kontext?

Typische Fehler in BU-Gutachten

Fehlerhafte oder unvollständige Gutachten führen oft zu Verzögerungen, Ablehnungen oder sogar gerichtlichen Auseinandersetzungen. Häufige Probleme:

  • Fehlende Auseinandersetzung mit der konkreten